Kindern das Wort verbieten?
Brandenburgs Bildungsministerin verordnet Unsinn – Grundschulverband fordert Rückkehr zu sachlicher und fachlich fundierter Diskussion über Schreiben und Rechtschreiben.

Die Diskussion über die Rechtschreibleistung der Kinder nimmt immer breiteren Raum in der Öffentlichkeit ein. Der Bundesverband veröffentlichte am 28.09.2018 eine Pressemitteilung, die Sie hier herunterladen können.

 

Digitale Bildung – Herausforderungen an Grundschulen
und Grundschulunterricht im digitalen Wandel

Anlässlich einer Fachtagung der Landtagsfraktion der Grünen, legt die Landesgruppe im September 2018  “Empfehlungen für das Land Baden-Württemberg” vor, die Sie hier downloaden können.

Gerne verweisen wir auch auf die weiterführenden Hinweise des Bundesverbandes, die Sie über diesen Link erreichen.

 

Rechtschreibunterricht:
Die Zeit der Pauschalurteile und simplen Rezepte ist vorbei

Hier können Sie die Stellungnahme downloaden

Die „Fibel“ führt zu besserer Rechtschreibung lautet eine Pressemitteilung der Universität Bonn, die seit einigen Tagen durch die Medien geistert. Der Grundschulverband stellt fest: Eine solche Allgemeinaussage ist nach dem aktuellen Forschungsstand nicht möglich und höchst irreführend.

Erstens: Es gibt nicht „die“ Fibel, sondern ein breites Spektrum didaktisch-methodisch höchst unterschiedlicher Lehrgänge. Deren Lerneffekte lassen sich nicht auf einen einfa- chen Nenner bringen.

Zweitens: Didaktische Konzepte werden von Lehrer/inne/n unterschiedlich genutzt, er- gänzt und umgesetzt. Das gilt für Fibel-Lehrgänge genauso wie für die alternativ unter- suchten Ansätze. Ohne genauere Kenntnis der konkreten Auslegung im Unterricht las- sen sich Effekte also nicht dem jeweils eingesetzten Konzept oder Material zurechnen.

Drittens: Wie sich die Rechtschreibleistungen über die Grundschulzeit hinweg entwi- ckeln, hängt nicht nur vom Anfangsunterricht, sondern auch von den Konzepten, Mate- rialien und Aktivitäten des Rechtschreibunterrichts in den Folgejahren ab.

Zu diesen drei zentralen Punkten und weiteren Bedingungen haben die Autoren der Studie bisher – trotz Nachfrage – keine Informationen zugänglich gemacht. Für den Grundschulverband kritisiert Ulrich Hecker (stellv. Vorsitzender und Grundschulrektor)dieses Vorgehen als wissenschaftlich unseriös: „Man kann nicht als Universität mit dem Siegel ‚groß angelegte Studie‘ breitenwirksam Urteile in die Welt setzen, ohne zugleich die Daten und das forschungsmethodische Vorgehen für eine kritische Nachprüfung ver-fügbar zu machen.“ Der Grundschulverband dringt deshalb auf eine umgehende Veröf-fentlichung der Studie.

Frankfurt am Main, 18.09.2018 V.i.S.d.P. Nicole Lustig

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:
Ulrich Hecker, stellv. Vorsitzender des Grundschulverbands e.V.

Tel.: 02841-21714; E-Mail: ulrich.hecker@grundschulverband.de
Prof. Dr. Ursula Carle, Fachreferentin für Grundschulforschung im Grundschulverband e.V.
Tel.: 07544-9669577; E-Mail: ursula.carle@grundschulverband.de

 

Lehrkräftemangel in Grundschulen bereitet Sorgen

Noch hat das Schuljahr 2018/2019 nicht begonnen. Die Lehrkräfteversorgung in den Grundschulen – insbesondere in ländlich wenig gewünschten Gebieten – bereitet große Sorgen. Noch liegen die genauen Zahlen nicht vor, doch auch die Aktivitäten des Kultusministeriums machen deutlich: Hier ist die Not groß.

Die Suche nach Schuldigen hilft gegenwärtig nicht weiter, kann allenfalls für fernere Zeiten Lösungen erbringen, wenn die Politik hier ihre Hausaufgaben auf mittel- und langfristige Sicht hin erledigt. KMK-Chef Holter stellt fest: Versäumnisse der Politik sind Hauptursache für den dramatischen Lehrermangel in Deutschland.

Bei allen Überlegungen, wie dem Mangel beizukommen ist, erscheinen folgende mahnenden Bemerkungen notwendig zu sein:

  1. Kinder in die grundlegenden Kulturtechniken einzuführen erfordert – neben der Hinwendung zum Kind – vor allem Kenntnisse über kindliche Entwicklungs- und Denkprozesse sowie die Fähigkeit, darauf mit geeigneten methodisch-didaktischen Maßnahmen einzugehen. Dies erfordert – nicht nur in den Bereich Lesen, Schreiben und Rechnen – ein entsprechendes intensives Studium mit praxisbegleitenden, theoriereflektierenden Erfahrungen.
  2. Angesichts der Entwicklungsunterschiede in Jahrgangsklassen (Hüther spricht von bis zu 3 1/2 Jahren) müssen Lehrkräfte insbesondere in den Grundschulen darüber hinaus in der Lage sein, auf diese Unterschiede mit geeigneten differenzierenden Maßnahmen einzugehen.
  3. Die Integration von Kindern mit Fluchterfahrungen und mit Beeinträchtigungen (Inklusion) stellen weitere Herausforderungen dar, denen sich insbesondere die Grundschulen stellen.
  4. Damit Bildungsgänge von Kindern möglichst erfolgreich verlaufen, kommt es insbesondere darauf an, in den Grundschulen erfolgreiche Arbeit zu leisten. Kein Kind darf hier beschämt werden, keines darf verloren geben, alle sollten optimal gefördert werden.

Wir teilen den Anspruch, die qualitätsvolle Bildungsarbeit in Grundschulen weiter zu verbessern. Dazu benötigt es jedoch gut ausgebildetes, bestens vorbereitetes und engagiertes Personal. Nur so ist die Aufgabe zu lösen. Bei Lehrkräftemangel besteht die Gefahr, dass die Qualität nicht gehalten und schon gar nicht gesteigert werden kann. Lösungen sind dringend erforderlich.

Freiburg im Juli 2018

 

Gesetzentwurf der Fraktion FDP/DVP in Sachen Wahlfreiheit bei der Ganztagsschule
Stellungnahme der Landesgruppe Baden-Württemberg im Grundschulverband

Zum Gesetzentwurf der Faktion FDP/DVP – Landtagsdrucksache 16/3855 vom 10.04.2018 nimmt die Landesgruppe des Grundschulverbands Baden-Württemberg wie folgt Stellung:

  1. Die Umsetzung eines qualitätsvollen Ganztagesbetriebs einer Schule ist mehr als die Ausdehnung der Unterrichtszeit in den Nachmittag hinein. Sie erfordert daher in allererster Linie ein für die Entwicklung der Schülerinnen und Schülern angemessenes pädagogisches Konzept. Eine entsprechende Einlassung findet sich im Entwurf nicht. Der Entwurf greift damit aus diesem Grund ingesamt zu kurz.
  2. Dieser Pädagogik müssen Bedingungen entsprechen (Räume unter Dach und im Freien, die personellen Ressourcen – auch bei der Schulleitung …) und dies unabhängig davon, in welcher Form der Ganztagesbetrieb erfolgt. Offensichtlich geht der Entwurf davon aus, dass der Ganztagesbetrieb in der offenen sowie der Wahlform keine zusätzlichen Ressourcen erforderlich macht. Die entspricht nicht den Erfahrungen und den Erfordernissen die ein – wie auch immer gearteter Ganztagesbetrieb – ausmacht. Eine angemessene Ausstattung mit Räumen und Ressourcen muss finanziell in jeder Form des Ganztagesbetriebs abgesichert sein.
  3. Das Vorhaben, allen Schulen den Ganztagesbetrieb zu ermöglichen macht dann Sinn, wenn die unter 1. und 2. genannten Punkte berücksichtigt sind.
  4. Ein pädagogisch sinnvoller Ganztagesbetrieb erfordert eine sinnvolle Rhythmisieren von Anspannung und Entspannung über den ganzen Tag hinweg. Dies ist bei der vorgeschlagenen offenen Form nicht möglich.
  5. Ein solcher Wechsel wäre bei der Wahlform möglich. Hier stellen sich allerdings zwei Probleme: Problem 1: Was, wenn vorgeschriebene Teiler nicht erreicht bzw. überschritten werden? Und: wie langfristig müssen sich Eltern für die Wahlform festlegen? Problem 2: Die Schulleitung muss jeweils für zwei Systeme planen: für die Halbtagsschule sowie für den Ganztagesbetrieb in der Wahlform.
  6. Eines der wesentlichen Elemente der Gemeinschaftsschule ist deren Ganztagesbetrieb. Sie wird ihrem Auftrag im Halbtagesbetrieb nicht nachkommen können.

Freiburg, den 2. Juni 2018

Dipl.-Päd. Edgar Bohn, im Auftrag der Landesgruppe

Unsere Stellungnahme zum Thema finden Sie hier:

Rechtschreibleistungen heute: Haben die Schulen wirklich versagt?(PDF)

Das Infoheft zum Grundschulverband

Alle Stellungnahmen des Grundschulverbandes zu den ThemenInfoheft gsv 2016

  • Grundschule – Lernort und Arbeitsplatz
  • Gemeinsamer Bildungsauftrag
  • Schulanfang
  • Sprachenlernen
  • Medienbildung
  • Leistung
  • Inklusive Schule
  • Ganztagsschule
  • Schulentwicklung

und viele weitere Informationen finden Sie in unserem Infoheft.

Offener Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg: Ministerin Eisenmann stellt die pädagogische Verantwortung und die Methodenfreiheit von Lehrerinnen und Lehrern in Frage

Schwäbisch Gmünd, 16. Dezember 2016

Offener Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann MdL:

Ministerin Eisenmann stellt die pädagogische Verantwortung und die Methodenfreiheit von Lehrerinnen und Lehrern in Frage

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

sehr geehrter Herr Kretschmann,

zunächst möchten wir als Grundschulverband Baden-Württemberg die gute Entwicklung der letzten Legislaturperiode betonen, die Wertschätzung, die allen Schularten entgegengebracht wurde, und den Mut zu Veränderungen. Die Verlässlichkeit der Politik gerade im Bildungssektor und die Fortsetzung beschlossener Verordnungen sind bedeutsam für die Qualitätsentwicklung unseres Landes.

Mit diesem Schreiben wenden wir uns an Sie als Ministerpräsidenten, weil wir durch einige Aktivitäten der Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann die bildungspolitischen Erfolge und die zukunftsweisende Weiterentwicklung von Baden-Württemberg als gefährdet ansehen.

Zunächst möchten wir betonen, dass wir auf unserem Grundschultag in Stuttgart Mitte Oktober bereits den Dialog mit der Kultusministerin gesucht haben, die aber wenig offen reagiert und sich auch in der Folge bei weiteren öffentlichen Terminen wie beispielsweise der Bildungskonferenz Ostalb als wenig zugänglich für innovative Themen gezeigt hat.

Konkreter Anlass ist nun ein Brief von Frau Dr. Eisenmann, der Anfang Dezember an alle Grundschulen gegangen ist, über dessen Inhalt wir erstaunt und irritiert sind. Die darin angesprochenen Punkte und auch Äußerungen der Ministerin diesbezüglich in der Öffentlichkeit und in der Presse verursachen große Unruhe in den Kollegien und Seminaren, die sich hilfesuchend an uns gewandt haben, und Verärgerung auch in den Schulämtern, die nicht vorab informiert worden waren.

Im Brief spricht die Ministerin davon, dass „richtiges Schreiben“ eine „Schlüsselkompetenz“ sei, die „wieder [!] gestärkt werden“ müsse. Dies legt den Umkehrschluss nahe, dass den Grundschullehrkräften unterstellt wird, die Entwicklung dieser Kompetenz vernachlässigt zu haben. Die uns vorliegenden empirischen Untersuchungen zeigen, dass die Rechtschreibleistungen seit 2000 in der Sekundarstufe gleich geblieben, in der Grundschule sogar besser geworden sind.

Die Ministerin stellt Unterrichtskonzepte, die von Anlauten ausgehen, ins Abseits. Diese würden häufig zu einem unangemessen langen Verharren der Schülerinnen und Schüler in der Phase des alphabetischen Schreibens führen und somit einem frühen systematischen Rechtschreibunterricht eher entgegenwirken.

Diese wissenschaftlich und didaktisch haltlose Aussage, die so tut, als gäbe es nur die erste Stufe des Schriftspracherwerbs, nicht aber die nachfolgenden orthographischen und morphematischen Strategien, bei deren Erwerb die Kinder in der Grundschule selbstverständlich differenziert unterstützt und angeleitet werden, ist nur befremdlich. Dabei hat sich die Ministerin in der Öffentlichkeit immer wieder dahingehend geäußert, den von der grün-roten Vorgängerregierung erarbeiteten Bildungsplan, der explizit die Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Modelle beim Erwerb der Schriftsprache und der Rechtschreibung verlangt, umsetzen zu wollen.

Unter baden-württembergischer Ägide wurden ferner die – bundesweit verabschiedeten! – Empfehlungen der KMK zur Arbeit in der Grundschule von 2015 erarbeitet, auf die das Land und das Kultusministerium zu Recht stolz sein können. In ihnen heißt es, kindgerecht wie auch wissenschaftlich fundiert:

„Beim Schriftspracherwerb ist das lautorientierte Schreiben ein Entwicklungsschritt auf dem Weg zum normgerechten Schreiben. Das Kind wird ausgehend von seinen lautorientierten Verschriftungen von Anfang an [!] systematisch an das orthografisch korrekte Schreiben herangeführt. Orientiert an fundierten Modellen der Fachwissenschaft und Fachdidaktik unterstützt der Unterricht diese individuellen Entwicklungen. […][1]

Mit ihrem Schreiben, das die Leistungen der baden-württembergischen Bildungspolitik der letzten Jahre negiert wie auch den Grundschulen schlechte Leistungen unterstellt, bringt Frau Dr. Eisenmann die Schulen, die Seminare für Didaktik und Lehrerbildung und die Weiterbildungsinstitutionen in eine außerordentlich schwierige Lage. Denn der rechtlich bindende Bildungsplan trägt ihnen auf, aktuelle empirische Erkenntnisse aus der Lernforschung, der (Neuro-) Linguistik und der wissenschaftlichen Sprachdidaktik in ihren Unterricht einzubeziehen. Das Schreiben der Ministerin hingegen verlangt von ihnen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu vergessen und dem Bauchgefühl oder dem veralteten Kenntnisstand ihrer Ministerin zu folgen, die dem seit den 1980er Jahren widerlegten Fehlervermeidungsprinzip anhängt. Denn wir wissen längst, dass unser Gehirn völlig anders funktioniert, sehr viel beweglicher ist, dass sog. „Fehler“ sich nicht unverzüglich einbrennen und dass Gelerntes viel nachhaltiger wirkt, wenn es in aktiver Auseinandersetzung mit den Gegenständen passiert.

Nach derselben Logik müsste sie einem Kind, welches das Laufen erlernt, das Krabbeln verbieten, beim Spracherwerb auf korrekter Artikulation von Anfang an bestehen oder Milchzähne als ineffektive Mittel zum Kauen gesetzlich untersagen. Kurz: Beim lautierenden Schreiben handelt es sich um einen notwendigen Entwicklungsschritt, der unterrichtlich zeitweilig unterstützt werden muss, und keinesfalls um eine Methode, die bis ins weit fortgeschrittene Grundschulalter hinein perpetuiert wird.

Unsere nachfolgend geäußerten Fragen sind sehr ernst gemeint:

– Dürfen die Grundschülerinnen und Grundschüler so lange keine eigenen Texte mehr schreiben, bis sie die Orthografie beherrschen? Dies wäre nicht vor Klasse 9, denn laut den Bildungsplänen (die hier wiederum der Forschung folgen!) ist dann erst das Erlernen der Rechtschreibung abgeschlossen.

– Wie sollen Kinder Fehlersensibilität entwickeln, wenn sie nicht (mehr) über Schreibweisen nachdenken dürfen, sondern nur noch korrekte Schreibweisen einüben?

– Kann es sich ein Land wie Baden-Württemberg leisten, sich bundesweit lächerlich zu machen, indem wichtige – und zum Teil jahrzehntealte – Forschungsergebnisse schlichtweg ignoriert werden?

Den Grundschulverband haben in den letzten Tagen zahlreiche entsetzte E-Mails und Anrufe von Schulen aus dem ganzen Land erreicht. Sie sehen sich unter den Generalverdacht gestellt, ihren fachdidaktischen Auftrag im Fach Deutsch nicht ernst zu nehmen. Der Rechtfertigungsdruck der Schulen, die nicht von Anfang an jedem Kind in jedem Fach jeden Fehler rot anstreichen wollen, sowohl vor den Eltern als auch in einer zunehmend populistisch geprägten Öffentlichkeit, wird enorm.

Ist dies ein zeitgemäßer Unterricht? Entspricht diese Vorgehensweise dem Koalitionsvertrag? Warum lässt die Ministerin sich von Populisten wie der AfD im Landtag vor sich hertreiben, anstatt die Schulen durch Fortbildungen zu unterstützen?

Dass uns jetzt noch die eigene Ministerin unprofessionelle Arbeit unterstellt und uns umgekehrt eine stammtischreife, populistische Lösung ans Herz legt nach dem Motto „Wir achten einfach jetzt mal wieder auf richtiges Schreiben“, ist empörend.

Lieber Herr Ministerpräsident, wir richten uns mit unserer Sorge um die 2.500 Grundschulen mit Kindern, Lehrkräften, Eltern und Großeltern nun an Sie. Ziel der Landesregierung muss es sein, die Grundhaltung des Koalitionsvertrages zu vertreten, um eine gute Arbeit an den Schulen zu ermöglichen. Die Haltung der Kultusministerin ist wegweisend für die Arbeit an den Schulen, und wir erwarten von ihr mindestens dieselbe Professionalität, die der Bildungsplan den Lehrkräften abverlangt. Wenn sich Baden-Württemberg in Schulleistungsstudien im Vergleich zu den anderen Bundesländern signifikant in den Bereichen Lesen und Zuhören verschlechtert, nicht aber im Bereich der Rechtschreibung, verlangen wir entsprechende Fortbildungen in genau diesen Bereichen: Lesen und Zuhören. Wenn sich Baden-Württembergs Achtklässler der Sekundarstufe im Lesen und Zuhören verschlechtern, erwarten wir, dass die Kultusministerin nicht Schelte und empirisch haltlosen Unfug an die Lehrerinnen und Lehrer in der Grundschule austeilt.

Länder, die sich laut Schulleistungsstudien verbessert haben, investieren in Unterricht, in Fortbildung und in ihre Lehrkräfte. Unserer Meinung nach besteht hier für Baden-Württemberg dringend Handlungsbedarf. Wir brauchen Fortbildungen und kompetente Prozessbegleitung für die Schulen vor Ort für die Qualitätsentwicklung von innen.

Lieber Herr Ministerpräsident, wir bitten Sie, die Haltung der Kultusministerin mit Blick auf den Koalitionsvertrag kritisch in den Blick zu nehmen und das Wohl der zahlreichen Kinder und Lehrkräfte zu bedenken. Die langfristigen Folgen durch ihre zahlreichen – nur scheinbar unbedachten – Äußerungen sind nicht absehbar. Gerne stehen wir auch für einen sachlichen Austausch und ein Fachgespräch zur Verfügung; im Kultusministerium selbst sehen wir – derzeit – keine Perspektive für einen fruchtbaren Dialog.

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedvolles, erfreuliches neues Jahr 2017.

Für den Grundschulverband Baden-Württemberg:

Prof. Dr. Claudia Vorst

Landesvorsitzende GSV Baden-Württemberg

Nachtrag vom 22.2.2017: Da ich immer wieder interessiert danach gefragt werde: Nein, Ministerpräsident Kretschmann hat nicht geantwortet.

[1] Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (Hrsg.) 2015, S. 13