Digitale Bildung – Herausforderungen an Grundschulen
und Grundschulunterricht im digitalen Wandel.
Anlässlich einer Fachtagung der Landtagsfraktion der Grünen, legt die Landesgruppe im September 2018 folgende “Empfehlungen für das Land Baden-Württemberg” vor:

1. Grundschulspezifische Standards – 
Forderungen des Bundesgrundschulverbandes*:
Grundschulen benötigen grundschulgerechte, also schulartspezifische Kompetenzstandards auch für die digitale Welt.

Situation in Baden-Württemberg: In den aktuellen Bildungsstandards sind Kompetenzen für die digitale Welt sowohl in der Leitperspektive Medienbildung als auch in den Fächern verankert. Die Verankerung erfolgte vor der KMK-Strategie und müsste aktualisiert werden.
Bewertung aus Sicht des Grundschulverbands Baden-Württemberg:
Die prominente Verankerung des Themas in den Bildungsplänen BW ist sehr zu begrüßen.

Handlungsvorschläge:
Voraussetzungen für die Umsetzung der Bildungsstandards schaffen!
Die Voraussetzungen für die Umsetzung der Bildungsstandards sind nun zu schaffen. Dies betrifft die Schaffung infrastruktureller Voraussetzungen und die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte (siehe folgende Punkte).
Integration aktuellere Entwicklungen (z.B. Berücksichtigung KMK-Beschluss) durch Weiterentwicklung der Bildungsstandards und Einführung von Zusatzangeboten (Digitale Bildungspässe…).

2. Qualifikation der Grundschullehrkräfte
Forderungen des Bundesgrundschulverbandes*:
Grundschulen benötigen eine wissenschaftliche, praxisnahe Lehrerbildung (Aus- und Weiterbildung) in den Bereichen grundschulgerechte Medienbildung und Fachdidaktik mit dem Schwerpunkt Digitalisierung/Digitalität in allen drei Phasen der Lehrerbildung. Technikschulungen sind nicht ausreichend!

Situation in Baden-Württemberg: Vielfältige Maßnahmen existieren. Inhalte werden derzeit nicht aufeinander abgestimmt. Es existieren kaum Maßnahmen zur Überprüfung der Quantität und Qualität der Aus- und Fortbildung. Die Passung von Fortbildungsangeboten zu den spezifischen schulischen Voraussetzungen ist gering.

Handlungsvorschläge:
Bildung eines Expertenrates aus Theorie und Praxis zur Entwicklung von Strategien für grundschulgerechte wissenschaftliche und praxisnahe Lehrerbildungskonzepte
Stärkung verpflichtender Anteile in allen 3 Phasen der Lehrerbildung
Abstimmung der Inhalte zwischen den verschiedenen Ausbildungsphasen
Verbindung von Wissenschaft und Praxis in allen 3 Phasen der Lehrerbildung

3. Ausstattung und Infrastruktur an den Grundschulen
Forderungen des Bundesgrundschulverbandes*:
Grundschulen benötigen einen angemessenen Anteil (mind. 50 %) der Fördermittel und benötigen eine schnelle Netzanbindung und flächendeckendes, lokal abschaltbares WLAN. Grundschulen brauchen benutzungsfreundliche, zuverlässige, hervorragend in den Grundschulunterricht integrierbare und altersgerechte Hard- und Softwarelösungen und grundschulgerechte Supportstrukturen.

Situation in Baden-Württemberg: Viele Grundschulen haben nur sehr langsame Internetanschlüsse und kein flächendeckendes, abschaltbares WLAN, häufig ausgediente Geräte (z.T. aus weiterführenden Schulen). Dies bedeutet, dass Grundschullehrkräfte Schüler/innen in umständliche Officegeräte statt in die leicht erlernbare Tabletnutzung einführen. Grundschulen arbeiten derzeit weitgehend ohne tragfähige Wartungskonzepte. Lehrkräfte warten die veraltete Hardware in ihrer Freizeit.

Handlungsvorschläge:
Verwendung von mind. 50% der Digitalpaktgelder für die Grundschule zur Schaffung der Voraussetzungen zur Netzanbindung und WLAN-Ausstattung.
Entwicklung von Mindestanforderungen an grundschulgerechte Hard- und Software durch Expertenrat (siehe oben).
Entwicklung von professionellen Wartungskonzepten auf der Basis der Mindestanforderungen.

Der Grundschulverband steht mit seiner Expertise für Anfragen und Beratung zur Verfügung.
Kontaktdaten
Grundschulverband Baden-Württemberg
, Edgar Bohn Vorsitzender der Landesgruppe

Prof. Dr. Thomas Irion – thomas.irion@grundschulverband.de
Christoph Straub – Christoph_Straub@arcor.de

September 2018

Gerne verweisen wir auch auf die weiterführenden Hinweise des Bundesverbandes, die Sie über diesen Link erreichen.