Im November 2025 haben wir den demokratischen im Landtag vertretenen Parteien diese Wahlprüfsteine zur Beantwortung vorgelegt. Wir wollen wissen, welche Schwerpunkte der Arbeit für die Grundschulen in der nächsten Legislatur sich die jeweiligen Parteien setzen.
Um Beantwortung bis zum 23. Dezember haben wir gebeten. Die Ergebnisse werden wir auf unseren Kanälen veröffentlichen und hoffen, dass dies den Wählerinnen und Wählern zu ihren Wahlentscheidungen hilft.
Hier unsere Wahlprüfsteine Grundschule:
Landtagswahl 2026 – Wahlprüfsteine Grundschule
Antwortende Partei:
Antwortende Person(en):
1. Programme & Prioritäten der nächsten Legislaturperiode
Nach jahrelanger Vernachlässigung der Grundschule hat sich der Trend inzwischen umgekehrt: Diese werden mit Aufgaben, Programmen, Tests regelrecht überschüttet. Die Ressourcenvergabe erfolgt aber so stark reguliert, dass für die Schulen eine deutliche Mehrbelastung ohne entsprechenden Ausgleich im Hinblick auf Überlastung erfolgt.
Welche konkreten Programme plant Ihre Partei für die nächste Legislatur? Was muss fortgeführt werden, was wird beendet – und nach welchen Kriterien priorisieren Sie (Wirkungsnachweise, Reichweite, Kosten-Nutzen)?
2. Bildungsziele: Wie wichtig ist Ihrer Partei eine Grundschulbildung, die über Lese-, Schreib- und Rechentrainings hinausgeht?
Im Fokus vieler der oben genannten Maßnahmen stehen aktuell Basiskompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen. Wie stellen Sie sicher, dass Elemente einer allseitigen Bildung nicht verdrängt werden – insbesondere demokratische Bildung, soziales und emotionales Lernen, Ethik, Ästhetik/Kulturelle Bildung, Sport und digitale Bildung?
3. Inklusion & Demokratie (UN-BRK)
Die Schule der Zukunft muss inklusiv und demokratisch sein. Das bestehende System ist seinem Wesen nach weiterhin stark selektiv. Wie erfüllen Sie die rechtliche Verpflichtung aus der UN-Behindertenrechtskonvention und entwickeln das System zu echter Inklusion weiter (Strukturen, Ressourcen, Qualifizierung, Monitoring)?
4. Längeres gemeinsames Lernen
Internationale Befunde belegen Erfolge längeren gemeinsamen Lernens in inklusiven Systemen. Welche konkreten Schritte des längeren gemeinsamen Lernens (Gesetzesänderungen, Schulversuche, Skalierungsfahrplan, Evaluation) setzen Sie in der nächsten Legislatur auf Ihre ToDo-Liste?
5. Ganztagsbetreuung ab 2026
Der Gesetzgeber sieht vor, dass ab dem Schuljahr 2026/2027 für alle Eltern die dies wünschen, in den Grundschulen Ganztagsbetreuung angeboten wird. Eine qualitativ hochwertige Ganztagsschule, die die Bedürfnisse aller Kinder in den Mittelpunkt stellt, braucht mehr als einen Zeitrahmen und ein Mittagessen. Die Umsetzung eines echten Ganztagskonzepts schließt den Unterricht mit ein, wenn Bildungsgerechtigkeit und höhere Bildungsqualität ernsthafte Ziele sind. Das erfordert u.a. qualifiziertes Personal, Zeit und Ressourcen für Schulentwicklungsprozesse und auch äußere Bedingungen, die Schule zum Lebensraum für Kinder machen.
Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um den Ganztag in der Grundschule qualitativ hochwertig umzusetzen und Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten?
6. Ressourcen für Grundschulen
Grundschulen gelten weiterhin als „Stiefkinder“ der Bildungsfinanzierung. Wie erhöhen Sie die Ressourcen spürbar (Personalschlüssel, multiprofessionelle Teams, Sozialarbeit, Doppelbesetzung, Fortbildung, Sachmittel, Raumprogramme)?
7. Besoldung A13 für Grundschullehrkräfte
Viele Bundesländer haben die Besoldung für Grundschullehrkräfte auf A13 angehoben. Dies hat zur Folge, dass sehr gute Grundschullehrkräfte inzwischen in andere Bundesländer abwandern und viele Grundschullehrkräfte Ihre Arbeit nicht angemessen alimentiert sehen. Ab wann führen Sie A13 in BW ein, wie wird der Stufenplan aussehen, und wie sichern Sie die Gegenfinanzierung?
8. Sekundarstufensystem & Selektion
BW leistet sich ein breit gefächertes, stark selektives Sekundarstufensystem. Welche Struktur- und Steuerungsreformen planen Sie (Schularten, Übergänge, Kooperationen, regionale Schulentwicklung, Ganztag, Abschlusssystematik)?
9. Enquête-Kommission & Bürgerräte Bildung
Angesichts alarmierender Ergebnisse von Leistungsstudien: Setzen Sie sich für die zeitnahe Einsetzung einer Enquête-Kommission ein, flankiert durch Bürgerräte Bildung, um BW’s Bildungssystem ohne Denkverbote neu zu denken? Mit welchem Mandat, Zeitplan und Umsetzungsverbindlichkeit?
10. Lehrkräftebildung & verkürzter Master
Gerade die Grundschule stellt besondere pädagogische, didaktische und diagnostische Anforderungen. Akkreditierungsagenturen und wissenschaftliche Kommissionen kritisieren den in BW auf zwei Hochschulsemester verkürzten Master und die insgesamt verkürzte Ausbildungsdauer, weil zentrale Ausbildungsinhalte nicht mehr hinreichend vermittelbar seien. Was tun Sie konkret, um die Ausbildungsqualität zu sichern (Masterdauer, Praxisphasen, Professionalisierungsmodule, Akkreditierungsvorgaben, Finanzierung) – und bis wann? Wie planen Sie eine Verbesserung des Praxisbezugs des Grundschullehramtstudiums?
11. Digitale Bildung, KI & individuelle Förderung
Digitale Medien und KI eröffnen neue Möglichkeiten für adaptive Förderung beim Erwerb der Basiskompetenzen. Welche Landesstrategie verfolgen Sie, damit BW am Ende Ihrer Legislatur messbar vorangekommen sein wird (Curricula, Fortbildungs-Offensive, Infrastruktur/EdTech-Beschaffung, Lernstanddiagnostik, Ethik & Datenschutz, Wirksamkeitsmessung)?
12. Medienerziehung & Elternarbeit
Kinder wachsen zuhause oft unter starkem Einfluss digitaler Medien auf. Welche Maßnahmen planen Sie, um über Grundschulen alle Eltern systematisch zu erreichen und über Risiken, Schutzfaktoren und verbindliche Medienerziehungs-Bausteine zu informieren (Verbreitung landeseinheitlicher Materialien, Elternkurse, mehrsprachige Angebote, Kooperation mit LMZ/KMZ/Jugendhilfe)?
13. Zukunftskompetenzen in der Grundschule
Lebens- und Arbeitswelt verändern sich in den nächsten 10–20 Jahren durch KI und Digitalisierung grundlegend. Wie stellen Sie sicher, dass Kinder heute in der Grundschule neben den Kulturtechniken auch Zukunftskompetenzen erwerben (kritisch-kreativer Umgang mit Medien/KI, Problemlösen, Kollaboration, Partizipation, Gestaltungskompetenz) – mit welchen curricularen Vorgaben, Lernumgebungen und Prüfungsformaten?
14. Sprachbildung & Bildungsgerechtigkeit
Viele Kinder werden abgehängt, weil ihre Kompetenzen in der deutschen Sprache nicht ausreichen. Wie sieht Ihre Strategie für durchgängige Sprachbildung aus (vorschulische Förderung, sprachsensibler Fachunterricht, DaZ-Förderketten, zusätzliche Deputate, Diagnostik-Tools, Qualifizierung des Personals, Kooperation mit Kita/Familie, flankiert durch Ganztag)? Welche Überlegungen bestehen um Kinder auch mit Unterstützung digitaler Medien in Ihrer Muttersprache zu fördern (z.B. im Mathematikunterricht), um Chancengerechtigkeit zu wahren und soziale Klüfte zu verhindern?
Rückgabe erbeten bis zum 23.12.2025
